Lamprechtshöhle


Die Lamprechtshöhle ist mit einer Gesamtausdehnung von rund 51 Kilometern eines der größten Höhlensysteme Europas.

 

Höhlenforscher aus Polen entdeckten 1993 einen weiteren Zugang in 2.178 m Höhe. Damit gilt die Lamprechtshöhle derzeit als die größte Durchgangshöhle der Welt.

 

In dem für Besucher erschlossenen Schauhöhlenteil wandern Sie auf schönen und bequem begehbaren Steiganlagen rund 700 Meter in den Berg hinein und überwinden bis zur geräumigen Plattform, von der Sie einen eindrucksvollen Blick auf einen Großteil der gut beleuchtenden Höhle haben, eine Höhendifferenz von 70 Metern. Auch bei Regenwetter ein unvergessliches Erlebnis!


Öffnungszeiten – Schauhöhle und Gaststätte

Anfang Mai bis Ende Oktober ● täglich von 8:30 bis 19:00 Uhr

Übrige Zeit ● an den Wochenenden von 9:00 bis 17:00 Uhr


Adresse für Navigation:

Lamprechtshöhle | Obsthurn 28 | 5092 St. Martin bei Lofer




Geologie und Entstehung der Höhlen in den Loferer Steinbergen

(Ausschnitt aus Geologischer Karte von Bayern, 1996)
Abb. 1: Geologische Karte der Leoganger und Loferer Steinberge

Typisch für die Entstehung der Höhlensysteme der Steinberge ist ihre starke Bindung an tektonischen Strukturen. Der Lamprechtsofen bei Weißbach ist vorwiegend an die Schichtgrenze des Dolomitgesteins (hd – hellbraun in der Karte) mit dem rund 400 Meter überlagernden Dachsteinkalk (dk – braun schraffiert in der Karte) gebunden (Abb. 1). Bei Weißbach treten an die Saalach angrenzend – blau gezeichnet – jura-kreidezeitliche Ablagerungen auf, die aber jüngeren Datums sind und mit der Höhlenbildung der Lamprechtshöhle nichts zu tun haben.

 

 

 

Die Schichtgrenze in Kombination mit der meist senkrecht dazu einfallenden Klüftung bestimmen das Raumbild und bieten die Basis für die Entstehung großer Räume wie den Passauer Dom oder Lamprechtsdom, die durch die Gebirgsspannungen immer wieder eingebrochen sind und von Versturzmaterial erfüllt wurden.

Abb. 2: Entlang des „Steinbaches“ im Bereich „Untere Steinbachklamm“ an der Schichtgrenze Dachsteinkalk und Dolomit
Abb. 2: Entlang des „Steinbaches“ im Bereich „Untere Steinbachklamm“ an der Schichtgrenze Dachsteinkalk und Dolomit

Im Bereich der aktiven Wasserläufe kann der Bach Teile eines Versturzes immer wieder erosiv oder korrosiv beseitigen. Der Lamprechtsofen bietet also das Bild einer außerordentlich unruhigen und durch die Wirkung der Hochwässer ständig in Veränderung begriffenen Höhle. Die Wasserläufe folgen der Schichtgrenze zwischen Dachsteinkalk und Dolomit und ermöglichen erst dadurch die Erforschbarkeit der Höhle (Abb. 2). Die oft so hinderlichen Siphonstrecken im Bereich des Karstwasserspiegels sind hier von geringer Bedeutung. Ein einheitlicher Karstwasserspiegel, wie er in anderen Gebirgen vorhanden sein kann, ist für die Leoganger Steinberge auszuschließen. Dafür ist ein Netz recht unterschiedlich hoch gelegener, benachbarter Wasserläufe festzustellen.

 

 

Die Lamprechtshöhle ist relativ arm an Tropfsteinen und anderen Sinterbildungen. Dies ist vermutlich auf die niedrigen Temperaturen in den Hochgebirgshöhlen zurückzuführen. Bei höheren Temperaturen steigt die Verdunstung und damit die Kalkausfällung (Abb. 3). Möglicherweise haben aber auch eiszeitliche Schmelzwässer, die in gewaltigen Mengen die Höhlensysteme durchfluteten, die Tropfsteine zerstört.

Abb. 3: Prinzip der Tropfsteinbildung (aus HB-Atlas, Kempe, 1997)
Abb. 3: Prinzip der Tropfsteinbildung (aus HB-Atlas, Kempe, 1997)

Die im gesamten Höhlenbereich auftretenden Sande, Schotter und Gerölle bestehen großteils aus Zerfallsprodukten des verwitternden Dolomits. Sie sind stellenweise durch Calcit zu Konglomeratbänken verkittet. Im Hachelgang findet man auch größere Blöcke von kristallinen Gesteinen die auf alten Hochflächen von voreiszeitlichen Flüssen abgelagert wurden und im Lauf von Jahrmillionen ihren Weg durch die Schächte und Klüfte des Höhlensystems gefunden haben.

 

Dr. Andreas Weber

Literatur:

  • Bayerisches Geologisches Landesamt (1996): Geologische Karte von Bayern.- 329 S. Herausgeber: Bayerisches Geologisches Landesamt 1996.
  • Kempe, S. (1997): Welt voller Geheimnisse – Höhlen.- in HB-Bildatlas Sonderausgabe, 114 S. Würzburg, 1997.
  • Reinl, G. (2005): Die Schauhöhle Lamprechtsofen.- Herausgeber: Sektion Passau im Deutschen Alpenverein e.V., 52 S., Passau 2005.